Unter anderem in der Zeitschrift "kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin" war jetzt zu lesen:
„In Deutschlands Kliniken werden Knie- und Hüftprothesen wie am Fließband eingesetzt. Die Krankenkasse Barmer GEK schlägt nun Alarm. Patienten in Deutschland werden immer mehr künstliche Knie- und Hüftgelenke eingesetzt - nach Ansicht der größten deutschen Krankenkasse möglicherweise zu oft. "Wenn das so weitergeht, haben bald alle 60- bis 65-jährigen Rentner ein neues Knie oder eine neue Hüfte", sagte der Vizechef der Barmer GEK, Rolf- Ulrich Schlenker, am Dienstag in Berlin. In den vergangenen sieben Jahren stieg die Zahl der neuen Hüft-Prothesen um 18, die der Knie- Implantationen sogar um 52 Prozent. Allein im vergangenen Jahr bekamen 209.000 Patienten eine neue Hüfte, 175.000 eine Knieprothese, wie aus dem Krankenhaus-Report 2010 der Kasse hervor. Inklusive Nachbehandlungen hätten diese Eingriffe pro Jahr Kosten von rund 3,5 Milliarden Euro verursacht - rund zwei Prozent aller Ausgaben der gesetzlichen Kassen. "Wenn man das weiterrechnet, wird es einem als Kassenvertreter Angst und Bange", sagte Schlenker. Man müsse die Frage stellen, ob Ärzte nicht zu schnell operierten, mahnte Schlenker. Das flächendeckende Netz an geeigneten Kliniken für solche Eingriffe produziere möglicherweise eine große Nachfrage. Hätten Versicherte Zweifel an der Notwendigkeit einer Operation, sollten sie einen zweiten Arzt konsultieren - tatsächlich täten das wohl die wenigsten der meist betagten Patienten.“
Diese Mitteilung der Barmer-GEK führte in der Presse zu weiteren Reaktionen. So beschäftigte sich eine Redakteurin der FAZ gestern mit dem Thema „Prothesenregister“. Im Unterschied z.B. zu Schweden existiert in Deutschland kein sog. Prothesenregister, in dem über alle Prothesenimplantationen Buch geführt wird. Eine solche Datenbank ermöglicht beispielsweise, die Haltbarkeit der einzelnen Prothesenmodelle und die Sicherheit der verschiedenen Implantationstechniken über einen längeren Zeitraum hinweg zu verfolgen. Man würde wichtige epidemiologische Informationen erfassen, etwa die Alters- und Geschlechterverteilung der Behandelten und die häufigsten Gründe für einen Gelenkersatz. Ein solches Register gäbe auch Einblick in die Versorgungsqualität der implantierenden Kliniken.
Bisher hatte sich die Industrie gegen die Beteiligung an einem solchen Vorhaben gespreizt, denn die Kosten sind dabei nicht unerheblich. Durch das neue Medizin-Produkte Gesetz müssen inzwischen die Hersteller viele Daten bereitstellen, sodass die Beteiligung an einem solchen Register der Industrie inzwischen billiger kommen würde. So wachsen die Chancen, dass endlich auch in Deutschland Licht in diesen undurchschaubaren Markt kommt. Es würde Spreu vom Weizen getrennt werden, im Sinne einer besseren Patientensicherheit.
Aber auch hinsichtlich eines rationaleren Umgangs durch die „Gesundheitsanbieter“ und besserer Steuerung durch die Kostenverantwortlichen.
Beschreibung und Erörterung von Fehlentwicklungen in der Medizin und im Gesundheitswesen
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Donnerstag, 12. August 2010
Zum Aufwärmen 2010
Als der Blog-Betreiber den Beruf Arzt erwählte, war der Begriff „Gesundheitswirtschaft“ noch eine unbekannte Vokabel. Auch vom „Gesundheitsmarkt“ sprach noch kaum einer. Man wurde Arzt oder Krankenschwester, weil man in der Hilfe für Kranke eine Art Berufung sah und da man als Arzt sich auf ein gutes Einkommen und hohes Sozialprestige einrichten konnte. Die Krankenhäuser und ärztlichen Praxen waren die Orte, an denen man seiner „Berufung“ und auch gesellschaftlich notwendigen „Pflichten“ nachgehen konnte.
Am Krankenhaus sorgte seinerzeit ein Verwaltungsleiter für das Funktionieren des Rahmens hinsichtlich der baulichen und apparativen Investitionen des Hauses, der Beschaffung der Versorgungsgüter, der Personalverwaltung etc..
Chef oder „Direktor“ einer Klinik war immer ein Arzt – eben der Chefarzt, der den Verwaltungsleiter meist als notwendiges Übel ansah.
Man betreute seinerzeit noch ausschließlich „Patienten“.
Für das „Gesundheitswesen“ wurde inzwischen der Fortschritt der Medizin zum Fluch. Immer bessere und umfänglichere Behandlungsmethoden wurden entwickelt und mit dem stetigen, politisch gewollten Ausbau des Sozial- und Wohlfahrtsstaates, mit dem Versprechen, dass jedem alles Notwendige, besser: alles Mögliche zur Verfügung stehen muss, musste es zwangsläufig zu dem kommen, was gemeinhin als „Kostenexplosion“ bezeichnet wird. Die Schere zwischen den Kosten der sozialstaatlich gestützten Ansprüche und dem Beitragsaufkommen der Versicherten ging immer weiter auf.
Dazu kam, dass besonders die fast ausschließlich staatlich geführten Krankenhäuser immer defizitärer wurden.
Wie das zu erklären ist, ist einen eigenen Beitrag wert.
Zur Rettung oder Verbesserung der Situation kam endlich die „Ökonomie“ ins Spiel. Man erkannte, dass in den Häusern anders gewirtschaftet werden muss und betriebswirtschaftliches Know-How - auch bei den Ärzten - vonnöten ist. Was im Grunde überhaupt nicht verkehrt sein kann.
Man glaubte, dass dies auch unter etatistischer oder bürokratischer Ägide möglich ist. Wenn man nur entsprechend ausgebildete Leute an die Spitze der Häuser stellt. Den politischen Einfluss als Rat oder Bürgermeister auf seine Einrichtung mochte man aber noch nicht aufgeben.
Man musste dann feststellen, dass privatwirtschaftlich oder auch frei-gemeinnützig geführte Kliniken doch besser wirtschafteten. Gerade unter dem Zwang, dass diese sich nicht auf den steten Zufluss aus öffentlichen Haushalten, sprich Steuergeldern, verlassen konnten.
Mit all dem, was da an betriebswirtschaftlichen Unzulänglichkeiten angehäuft wurde, kam es schließlich zu der Entwicklung, dass auch Krankenhäuser insolvent wurden, Pleite gingen oder aktuell Pleite zu werden drohen.
Die Lösung versprechen jetzt private Klinik-Unternehmen, welche nach und nach den ganzen Krankenhaus-Markt umkrempelen.
War vor 20 bis 30 Jahren der Bereich der privaten Träger noch unbedeutend, so beträgt der Anteil der privat geführten Krankenhäuser etwa ein Drittel. Den Markt der Akut-Häuser teilen sich in Deutschland praktisch nur vier bis fünf große Unternehmen unter sich auf.
Seit die „Ökonomie“ ins Krankenhaus Einzug gehalten hat, gibt es keine Patienten mehr, sondern „Kunden“ und „Konsumenten“. Gesundheit ist also auch etwas zum „konsumieren“.
„Klinikchef“ ist ein Betriebswirtschaftler, am besten ein „Master of Business Administration“ und die nennen sich jetzt durchweg „Kaufmännische Direktoren“ vulgo „Krankenhaus-Chef“. Die „Oberschwester“ wurde durch die „Pflege-Managerin“ oder „Pflegedirektorin“ abgelöst, der Hausmeister wurde zum „Facility Manager“.
Schöne neue Welt!
Trotz (oder wegen) aller Ökonomie sind die Beteiligten aber unzufrieden. Die „Kunden“ wie die Klinikchefs. Letztere wegen des Geizes und bürokratischer Fährnisse durch die Kostenträger (Krankenkassen). Die Patienten wegen der Versorgung.
Laut einer Studie eines Beratungsunternehmens im Gesundheitswesen wird das deutsche Gesundheitssystem lediglich von 17 Prozent der Befragten mit "sehr gut" oder "gut" beurteilt. Besonders mit der Infrastruktur und Informationstechnologie medizinischer Einrichtungen sind die Deutschen zufrieden. Verbesserungsbedarf besteht laut Studie vor allem bei Zugang und Wartezeiten für Behandlungen.
Anderen Untersuchungen zufolge sind aber die Deutschen Weltmeister in der Inanspruchnahme von medizinischen oder ärztlichen Leistung, wobei nicht bekannt ist, dass der Gesundheitszustand der Deutschen im selben Prozentmaß schlechter wäre, als der in Vergleichsländern.
Am Krankenhaus sorgte seinerzeit ein Verwaltungsleiter für das Funktionieren des Rahmens hinsichtlich der baulichen und apparativen Investitionen des Hauses, der Beschaffung der Versorgungsgüter, der Personalverwaltung etc..
Chef oder „Direktor“ einer Klinik war immer ein Arzt – eben der Chefarzt, der den Verwaltungsleiter meist als notwendiges Übel ansah.
Man betreute seinerzeit noch ausschließlich „Patienten“.
Für das „Gesundheitswesen“ wurde inzwischen der Fortschritt der Medizin zum Fluch. Immer bessere und umfänglichere Behandlungsmethoden wurden entwickelt und mit dem stetigen, politisch gewollten Ausbau des Sozial- und Wohlfahrtsstaates, mit dem Versprechen, dass jedem alles Notwendige, besser: alles Mögliche zur Verfügung stehen muss, musste es zwangsläufig zu dem kommen, was gemeinhin als „Kostenexplosion“ bezeichnet wird. Die Schere zwischen den Kosten der sozialstaatlich gestützten Ansprüche und dem Beitragsaufkommen der Versicherten ging immer weiter auf.
Dazu kam, dass besonders die fast ausschließlich staatlich geführten Krankenhäuser immer defizitärer wurden.
Wie das zu erklären ist, ist einen eigenen Beitrag wert.
Zur Rettung oder Verbesserung der Situation kam endlich die „Ökonomie“ ins Spiel. Man erkannte, dass in den Häusern anders gewirtschaftet werden muss und betriebswirtschaftliches Know-How - auch bei den Ärzten - vonnöten ist. Was im Grunde überhaupt nicht verkehrt sein kann.
Man glaubte, dass dies auch unter etatistischer oder bürokratischer Ägide möglich ist. Wenn man nur entsprechend ausgebildete Leute an die Spitze der Häuser stellt. Den politischen Einfluss als Rat oder Bürgermeister auf seine Einrichtung mochte man aber noch nicht aufgeben.
Man musste dann feststellen, dass privatwirtschaftlich oder auch frei-gemeinnützig geführte Kliniken doch besser wirtschafteten. Gerade unter dem Zwang, dass diese sich nicht auf den steten Zufluss aus öffentlichen Haushalten, sprich Steuergeldern, verlassen konnten.
Mit all dem, was da an betriebswirtschaftlichen Unzulänglichkeiten angehäuft wurde, kam es schließlich zu der Entwicklung, dass auch Krankenhäuser insolvent wurden, Pleite gingen oder aktuell Pleite zu werden drohen.
Die Lösung versprechen jetzt private Klinik-Unternehmen, welche nach und nach den ganzen Krankenhaus-Markt umkrempelen.
War vor 20 bis 30 Jahren der Bereich der privaten Träger noch unbedeutend, so beträgt der Anteil der privat geführten Krankenhäuser etwa ein Drittel. Den Markt der Akut-Häuser teilen sich in Deutschland praktisch nur vier bis fünf große Unternehmen unter sich auf.
Seit die „Ökonomie“ ins Krankenhaus Einzug gehalten hat, gibt es keine Patienten mehr, sondern „Kunden“ und „Konsumenten“. Gesundheit ist also auch etwas zum „konsumieren“.
„Klinikchef“ ist ein Betriebswirtschaftler, am besten ein „Master of Business Administration“ und die nennen sich jetzt durchweg „Kaufmännische Direktoren“ vulgo „Krankenhaus-Chef“. Die „Oberschwester“ wurde durch die „Pflege-Managerin“ oder „Pflegedirektorin“ abgelöst, der Hausmeister wurde zum „Facility Manager“.
Schöne neue Welt!
Trotz (oder wegen) aller Ökonomie sind die Beteiligten aber unzufrieden. Die „Kunden“ wie die Klinikchefs. Letztere wegen des Geizes und bürokratischer Fährnisse durch die Kostenträger (Krankenkassen). Die Patienten wegen der Versorgung.
Laut einer Studie eines Beratungsunternehmens im Gesundheitswesen wird das deutsche Gesundheitssystem lediglich von 17 Prozent der Befragten mit "sehr gut" oder "gut" beurteilt. Besonders mit der Infrastruktur und Informationstechnologie medizinischer Einrichtungen sind die Deutschen zufrieden. Verbesserungsbedarf besteht laut Studie vor allem bei Zugang und Wartezeiten für Behandlungen.
Anderen Untersuchungen zufolge sind aber die Deutschen Weltmeister in der Inanspruchnahme von medizinischen oder ärztlichen Leistung, wobei nicht bekannt ist, dass der Gesundheitszustand der Deutschen im selben Prozentmaß schlechter wäre, als der in Vergleichsländern.
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